AG Klinische Neuroimmunologie

Die Arbeitsgruppe für Klinische Neurologie beschäftigt sich mit entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems, also von Gehirn und Rückenmark. Die Multiple Sklerose (MS) ist die bei weitem häufigste immunvermittelte Erkrankung des zentralen Nervensystems, die inzwischen mit zahlreichen Medikamenten erfolgreich behandelt werden kann. Allerdings sind diese Medikamente nicht für alle Patientengruppen in gleichem Maße erfolgsversprechend. Zudem gibt es ähnlich erscheinende Erkrankungen, die auf einige der MS-Therapien nicht ansprechen oder sich darunter sogar verschlechtern können.

Dazu zählen seltene Autoimmunerkrankungen wie die Neuromyelitis Optica Spektrumerkrankung (NMOSD), aber auch Viruserkrankungen wie die Progressiven Multifokale Leukenzephalopathie (PML). Inwieweit das neue Coronavirus SARS-CoV-2 auch das Gehirn und oder Rückenmark betreffen und hier auch länger andauernde Folgeerkrankungen mit verursachen kann, ist bislang unzureichend untersucht.

Ziel unserer Arbeiten ist es, durch klinische Studien und klinisch-experimentelle Forschung die Behandlungsmöglichkeiten von Patienten mit MS und verwandten immun-, aber auch virusvermittelten Erkrankungen von Gehirn und Rückenmark zu verbessern.

Die Untersuchungen sind eingebettet in die Aktivitäten des Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS), der Neuromyelitis optica Studiengruppe (NEMOS), der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG, hier auch Beteiligung an Studien wie der Power@MS Studie) und des Deutschen MS-Registers sowie des Nationalen Pandemie Kohorten Netzes (NAPKON).

Die AG Klinische Neuroimmunologie arbeitet eng mit dem Studienbüro der Neurologie sowie der MS-Ambulanz zusammen.

Interessierte Studentinnen und Studenten (wissenschaftliches Projekt, Praktikum, Promotion) können sich mit kurzem Anschreiben und Lebenslauf an clemens.warnke@uk-koeln.de wenden.

Forschungsschwerpunkte und aktuelle klinische Studien

Kommunikation, Koordination und Sicherheit für Menschen mit Multipler Sklerose (KOKOS-MS)

Studien und eigene klinische Erfahrungen zeigen, dass schwer betroffene MS Patienten und ihre An-/Zugehörigen (im Folgenden als Bezugspersonen bezeichnet) oftmals einen kontinuierlichen koordinierenden Ansprechpartner vermissen, der gemeinsam mit ihnen ihre Bedarfe definiert und ordnet, sich für ihre Belange einsetzt und die Steuerung der Prozesskoordination übernimmt. Solche Aufgaben können durch einen sogenannten „Fallmanager“ übernommen werden. Seine Tätigkeit wird auch als „Care und Case Management“ bezeichnet und konnte bereits für verschiedene Patientengruppen die Prozesssteuerung vereinfachen, Lebensqualität verbessern und Sozial- und Gesundheitskosten senken. Bislang fehlt der Nachweis dieser positiven Effekte jedoch für schwer betroffene MS Patienten sowie für deren Bezugspersonen.

Ziel dieser Studie ist die Evaluation eines solchen Care und Case Management Dienstes bei schwerer MS, der über einen längeren Zeitraum (in dieser Studie über 12 Monate) in Gesundheits- und Sozialversorgungsbelangen begleitet. Hierbei sollen Anliegen der Patienten aber auch der Bezugspersonen Berücksichtigung finden. Dies erfolgt sektorenübergreifend, das heißt unabhängig davon, ob sich Patienten gerade ambulant oder stationär in Behandlung befinden. Von der Durchführung dieser Studie erhoffen wir uns, die Versorgung der MS Patienten und deren Bezugspersonen zukünftig verbessern zu können.

Studienleiterin ist Priv.-Doz. Dr. Heidrun Golla vom Zentrum für Palliativmedizin, die stellvertretende Leitung bei Priv.-Doz. Dr. Clemens Warnke. Weitere Informationen.

Whole Body Vibration bei Progredienter MS

Ein großer Anteil von Patienten mit Progredienter Multipler Sklerose entwickelt eine Gangstörung. Die Immuntherapie kann den individuellen Verlauf nur gering beeinflussen und in aller Regel die bereits verloren gegangenen motorischen Funktionen nicht wiederherstellen.

Ziel unserer Studie ist es, den Einfluss eines körperlichen Trainings mittels Ganzkörpervibrationsplatte im Hinblick auf die Gehfähigkeit sowie die Spastik bei Patienten mit Progredienter MS im Rahmen dieses Forschungsvorhabens zu untersuchen.

Diese Studie wird in Kooperation mit Dr. rer. medic. Christina Stark und Prof. Dr. med. Eckhard Schönau, UniReha, Uniklinik Köln durchgeführt und wird von der Firma Novartis unterstützt. Weitere Informationen.

Immunvermittelte Pathogenese und Entwicklung von Autoimmunität bei Patienten mit COVID-19 und neurologischer Manifestation

Neurologische und neuropsychiatrische Symptome werden bei oder nach COVID-19-Erkrankung berichtet. In der Akutphase der Infektion mit SARS-CoV-2 treten Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns auf. Es wurden aber, wenn auch deutlich seltener, Entzündungen von Gehirn und Rückenmark beobachtet. Nach durchgemachter Infektion berichten einige Patienten von erhöhter psychischer und physischer Erschöpfbarkeit (Fatigue), teils aber auch von Gedächtnisstörungen und Depression. Der Verlauf, Ausprägung und Ursache solcher Symptome soll durch eine umfassende und systematische Charakterisierung von COVID-19 Patienten und der Auswertung immunologischer Parameter in Blut und Liquor untersucht werden.

Diese Studie wird in Kooperation mit Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Dr. med. Christiana Franke und Prof. Dr. med. Harald Prüß der Neurologie, Charité Berlin durchgeführt und durch die Fokus-Förderung COVID-19 der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. COVID-19-Genesene, die infolge der Infektion noch unter neurologischen Symptomen leiden, können sich in unserer Spezialsprechstunde (link ) vorstellen. Weitere Informationen.

JC Virus-assoziierte progressive multifokale Leukoencephalopathie

Die Progressive Multifokale Leukenzephalopathie (PML) wird durch das JC-Polyomavirus (JCPyV) verursacht und ist eine schwere Komplikation bei immunsupprimierten Patienten. Die klinische Bedeutung der PML hat in den letzten Jahren durch ihr gehäuftes Auftreten in der Behandlung der MS mit Natalizumab, aber auch bei der Therapie mit anderen neuen immunsuppressiv wirksamen Medikamenten zugenommen.

Aktuelle wissenschaftliche Projekte sollend die Frühdiagnostik der Erkrankung verbessern und Grundlagen für die Entwicklung von gezielten Therapien mit erforschen. Diese Arbeiten werden in Kooperation mit Prof. Dr. rer. nat. Ulrike Wieland und Dr. rer. nat. Steffi Silling, Institut für Virologie, Uniklinik Köln, sowie Prof. Dr. med. Ortwin Adams, Institut für Virologie, Uniklinik Düsseldorf durchgeführt.

Beteiligung an multizentrischen Studien:

u.a. Power@MS

Ausgewählte Publikationen

  • A systematic review of neurological symptoms and complications of COVID-19. Chen C, Laurent S, Onur OA, Kleineberg NN, Fink GR, Schweitzer F, Warnke C. J Neurol 2020:1-11
  • Clearance of JC polyomavirus from cerebrospinal fluid following treatment with interleukin-2 and pembrolizumab in an individual with progressive multifocal leukoencephalopathy and no underlying immune deficiency syndrome. Goereci Y, Schweitzer F, Wellstein A, Silling S, Borchmann S, von Tresckow B, Adams O, Martin R, Schlamann M, Schroeter M, Fink GR, Wattjes MP, Warnke C. Eur J Neurol. 2020; 27:2375-2377
  • Natalizumab-associated progressive multifocal leukoencephalopathy in Germany. Blankenbach K, Schwab N, Hofner B, Adams O, Keller-Stanislawski B, Warnke C. Neurology 2019;92:e2232-e2239
  • Ingenhoven K, Kramer D, Jensen PE, Hermanrud C, Ryner M, Deisenhammer F, Pallardy M, Menge T, Hartung HP, Kieseier BC, Bertotti E, Creeke P, Fogdell-Hahn A, Warnke C. Development and Validation of an Enzyme-Linked Immunosorbent Assay for the Detection of Binding Anti-Drug Antibodies against Interferon Beta. Front Neurol. 2017 Jul 6;8:305.
  • Warnke C, Wijburg MT, Hartung HP, Killestein J, Adams O, Wattjes MP. Application of the CSF JCV antibody index to early natalizumab-associated progressive multifocal leukoencephalopathy. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2017; 88:1092-1094.

Das Team

Dr. Yasemin Göreci
E-Mail yasemin.goereci@uk-koeln.de

Sarah Laurent, PhD
E-Mail sarah.laurent@uk-koeln.de

Dr. rer. nat. Finja Schweitzer
E-Mail finja.schweitzer@uk-koeln.de

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